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Der Lykische Weg

500 Kilometer Fernwanderweg in der Türkei
                  
Die Etappen 8 bis 17:
Kalkan - Finike



Anreise

Es schien als sei es möglich, einen Flug von Hannover nach Antalya zu einer ganz normalen Uhrzeit zu buchen - dafür war der Flug auch etwas teurer. Allerdings gab es schon kurze Zeit später eine Flugplanänderung, und so fliegen wir  wieder nachts um 2:00 Uhr los. Gegen 8.00 Uhr waren wir in Antalya und wir haben ein Taxi zum Busbahnhof genommen. Mit öffentlichen Nahverkehr wäre der Busbahnhof auch vom Flughafen aus erreichbar, aber das hätte deutlich länger gedauert. So konnten wir den Bus nach Kalkan schon um kurz nach 10:00 Uhr vormittags nehmen und sind gegen 14:30 Uhr dort. Das war schon deutlich eleganter als im letzten Jahr, denn nun kannten wir die Tücken am Flughafen, die Wege am Busbahnhof und Kalkan selbst.

Kalkan war das Ziel der Wanderung im letzten Jahr, deshalb geht es diemal in Kalkar los. Insgesamt waren es damit 12 Stunden Anreise und wir verbringen wir den Anreise-Erholungstag am herrlichen Steinstrand von Kalkan. Die Erholung von der Anreise war die richtige Einstimmung auf die kommenden Etappen.


8. Etappe: Kalkan - Saribelen

Nach dem Start in Kalkan führt die Strecke für die ersten 2,5 Kilometer an der Hauptstraße entlang. Der ursprüngliche Weg wurde von neuen Häusern zu gebaut, die nun alle einen tollen Blick auf diew Bucht von Kalkan haben. Der Abzweig von der Hauptstraße in die Berge nach links ist gut zu finden, danach wird es wieder sehr schwer. Immer wieder werden neue Häuser direkt an den Weg gebaut, ohne die Markierungen zu verlegen. Schon ungewöhnlich, denn hier gehen mittlerweile doch schon so einige Wandernde den Weg entlang.
Oben an der ersten Stufe des Tages steht eine alte, römische Zitadelle, die man leicht finden kann. Kein Schild weißt darauf hin oder gibt Erklärungen dazu. Immer wieder herrlich, wie selbstverständlich die archäologischen Schätze sich in ein Stadtbild einpassen und nicht weiter beachtet werden.
Die nächste Stufe des Tages führt auf die Hochebene von Bezirgan. Die Steigung bis hierher ist lang, aber recht gut zu gehen. Auf dem Weg treffen wir auf eine Gruppe deutscher Wanderer, die wir ab jetzt immer wieder treffen. Eine ungewöhnlich zusammengewürfelte Gruppe von zum einen zwei jungen Frauen und zum anderen Bruder und Schwester, die sich auf vorherigen Etappen so oft getroffen haben, dass sie beschlossen, zusammen weiterzugehen.
In Bezirgan gibt es direkt an der Moschee einen kleinen Verkaufsladen. Eine hervorragende Gelegenheit, bei einem heißen Kaffee und etwas Schokolade den leichten Regen zu vergessen. Es ist den ganzen Tag bedeckt, und durch den Wind wird es richtig kühl. Nach Saribelen ist eine weitere Steigung zu erklimmen, die an einer hohen Straßenmauer endet. Der Reiseführer empfiehlt hier, dieser Straße bis nach Sardellen zu folgen, da der eigentliche Weg vermüllt und schwer zu finden ist (was uns die anderen Wanderer am nächsten Tag bestätigen).
In Saribelen fotografieren wir den letzten Restschnee - es bleibt kühl hier oben. Die Pension Mozaik konnte ich über Booking.com schon von Deutschland aus buchen, trotzdem wirkten die Besitzer einigermaßen überrascht von unserer Ankunft :) Eine direkte Buchung vor Ort ist allerdings viel günstiger. Wir vereinbaren Abendessen und Frühstück und so ist das Essen geregelt. Ein kleiner Spaziergang in den zersiedelten Ort ergibt Proviant für den nächsten Tag und die Entdeckung eines kleinen Cafes. Der Wirt hat frisch eröffnet und freut sich über die fremde Kundschaft.
Der Wind bläst sehr stark und lässt das Metalldach der Pension ordentlich klappern. Deshalb gibt es das Abendessen nicht auf der Dachterrasse, sondern auf einem kleinen Tisch im Flur. Dadurch ist es auch etwas wärmer als draußen und sehr gemütlich. Das Essen ist - wie eigentlich überall - sehr lecker und so lassen wir den Abend mit einem ersten Bierchen sanft ausklingen.

Strecke 8. Etappe

9. Etappe: Sarıbelen - Gökçeören

Es stürmt und regnet die ganze Nacht, der Klang des Metalldachs bleibt bedrohlich. Die Köchin bereitet das Frühstück trotzdem auf der umstürmten Dachterrasse vor und trägt es dann in den Flur. Pommes Frites zum Frühstück sind ungewöhnlich, aber sehr nahrhaft.
Es deutet sich Dauerregen an, also geht es in einem Regenponcho los. Eigentlich ist diese Region nicht für Regen und Sturm bekannt, daher ist ein Regenponcho die im doppelten Sinne leichteste Art, sich auf Notfälle dieser Art vorzubereiten. Wenn der Notfall dann allerdings den ganzen Tag dauert und man sich dabei zwischen 800 und 1000 m Höhe bewegt, wird es richtig kalt.
Es geht zu Beginn 300 m nach oben und dann immer leicht hoch und runter. Die Etappe ist landschaftlich sicher ein echter Höhepunkt, aber bei Regen und Sturm nicht wirklich genießbar. Durch Nebelschleier und Regentropfen auf der Brille sind schöne Steinformationen erkennbar und bei einem kurzen Wolkenloch erblicken wir die wunderschöne Landschaft. An der Ziegenfarm von Hüseyin bekommt man Tee und auch etwas zu essen, aber komplett durchnässt macht es wenig Sinn, dort zu halten. Also geht es weiter und zusätzlich grollt ein kleines Gewitter in der Nähe. Die Steine sind etwas rutschig und die Sicht ist durch den Dauerregen auch eingeschränkt, so dass es am Ende für 12 km über 4 Stunden Wanderzeit werden.
Am Zielort angekommen, steht der Wirt an seiner Pension und preist seine Unterkunft an. Wir verhandeln den Preis (2000 Lira / 40 € pro Person) und währenddessen lässt er das warme Wasser im Waschbecken laufen, damit ich mich von den Vorteilen seiner Unterkunft überzeugen kann. Außerdem hängt im Zimmer ein großer Wärmestrahler, der unbedingt nötig ist, um die vielen nassen Klamotten zu trocknen. Sicher wird nicht alles trocken werden bis morgen. Da es aber ohnehin weiter regnen soll, ist das nicht so tragisch.
Am Abend übernimmt die Wirtin das Zepter und kocht für die insgesamt 6 Gäste ein üppiges Abendessen. Die frischen Zutaten kommen meist aus dem eigenen Garten und sogar ein Bier gibt es dazu. Die Heizstrahler laufen auf Hochtouren und eine warme Dusche tut nach einem solchen Tag unendlich gut.

Strecke 9. Etappe


10. Etappe: Gökçeören - Çukurbağ

Was für eine Nacht! Es hat geblitzt, gedonnert und stundenlang geregnet. Als Finale gab es am Morgen drei Stunden Starkregen am Stück. Wie bedeutsam das noch im Laufe des Tages werden sollte, konnte ich da noch nicht ahnen.
Die zehn Meter zum Frühstücksraum waren erst nach Ende des Starkregens möglich, sonst wären wir komplett durchnässt gewesen. Die Mitglieder der anderen Wandergruppe waren sich uneinig: Lieber eine Taxifahrt in den nächsten Zielort Cukurbag, abwarten bis morgen, oder doch losgehen. Als eine kleine Regenpause einsetzt entscheiden wir für uns, loszugehen und machen uns zu zweit auf den Weg. Es war die beste Entscheidung.

Hinter dem Ort gabe es eine kleine Furt. Normalerweise kann man hier vermutlich mit einem Schritt über den kleinen Bach springen. Heute nach dem Starkregen war aus dem kleinen Rinnsal ein tiefer, reißender Bach geworden. Also Schuhe ausziehen und durchwaten, um auf der anderen Seite die Schuhe wieder anziehen. Eine aufmerksame Begleitung hatten wir auch dabei: ein großer Schäferhund trottete seit dem Ortsausgang neben uns her und noch konnten wir nicht ahnen, dass er den ganzen Weg mit uns gehen würde.

Der Weg führt das Tal ganz langsam hinunter, immer an dem reißenden Bach entlang. Eine schöne Wanderung, denn es regnete nicht mehr und die Regenwolken hängen in den Bäumen, und gaben dem Ganzen eine sehr mystische Stimmung. Am Ende des Tales kamen wir dann an die nächste Furt, die etwa 7 Meter breit war. Auch hier hieß es dann: Schuhe ausziehen, vorsichtig durchs kalte Wasser waten und sich gegen die Strömung stellen, um auf der anderen Seite die Schuhe wieder anzuziehen.
Nun geht es einige Kilometer nach oben. Der Weg ist sehr abwechslungsreich an bewachsenen Hängen entlang und gut ausgeschildert, wenn es nötig wird. Fast ganz oben stehen zwei alte, nicht benutzte Steinhäuser, in denen offensichtlich schon mehrere Wanderer übernachtet haben. Hier legen wir eine Mittagspause ein. Das ist genau die richtige Entscheidung, denn es kommen dunkle Regen wohl über die Berge gezogen. Während des anfängt zu regnen bekommt unser Begleithund ein paar Brote. Auf Tomaten steht er nicht.

Ab jetzt wechseln sich Regen- und Trockenphasen ab, allerdings wird alles wieder grundsätzlich nass. Nach weiteren anderthalb Stunden erscheinen die Ruinen von Phellos aus dem Nebel. Ein paar vom Wald fast verschluckte Tempel und ein großer Sarkophag liegen direkt am Weg. In dieser Regen-Nebel-Stimmung wirkt es wunderschön und doch etwas gruselig. Einen Blick in das Tal gibt es wegen des Nebels noch nicht, aber von der versunkenen Stadt geht es nun immer bergab.

Als wir aus dem dicht bewachsenen Berg hinaus kommen und eine asphaltierte Straße vorfinden, stehen gegenüber einige Häuser. An einem Haus wurde mit krakeliger Schrift "Zimmer frei" geschrieben. Auch der Hinweis auf eine Telefonnummer zu dem Hotel, das heute der Zielort sein soll, ist dort angebracht. Es sieht aber selbst so gar nicht nach Hotel aus, also weiter bis dorthin, wo wir das Hotel vermuten. Es geht lange hinunter und ist mit einigem Hundegebell und Angriffen verbunden. "Unser" Hund verhält sich glücklicherweise dabei sehr defensiv. Am Ende müssen wir festzustellen, dass das Hotel direkt oben am Berg liegt und wir wieder nach gehen oben müssen. Das ist nicht gerade stimmungssteigernd bei diesem Wetter.

Die Hotelbesitzer ist nicht vor Ort, ein Handwerker kann sie aber anrufen. Mit einem Besuch hat sie nicht gerechnet, aber zum Glück habe ich eine E-Mail, in der mit Datum steht, wann wir die Übernachtung abgestimmt haben. Per Telefon bestellt die Wirtin etwas zu essen in einem 3 Kilometer entfernten Imbiss, so das wir nicht hungernd zu Bett gehen müssen. Auch der Hund bekommt einen Anteil, der es sich vor der Tür bequem gemacht hat. Nein, Frühstück wird es nicht geben, aber wir sind froh, dass wir überhaupt etwas zu essen am Abend bekommen haben. Das Hotel ist innen wunderschön, es sind tolle Zimmer - aber weit weg von jeder Infrastruktur.

Strecke 10. Etappe

 


11. Etappe: Çukurbağ - Kaş

Morgens liegt der Hund noch immer vor der Tür. Aber das schönste ist: der Himmel ist blau. Keine Regenwolken mehr in Sicht. Also geht es erneut hinunter in den Ort, um die Wanderung in Richtung Kas weiterzugehen. Schon nach wenigen Metern hat unser Schäferhund einen Kumpel gefunden. Die beiden verstehen sich gut und schon haben wir zwei Hunde an unserer Seite. Wie selbstverständlich trotten sie neben uns her. Es stellt sich natürlich die Frage, wie man beide Hunde davon überzeugt, dass sie hier im ländlichen Gebiet bleiben sollten und nicht mit nach Kas kommen. Aber plötzlich tut sich eine erstaunliche Lösung auf: Ein Auto hält neben uns und der Fahrer sagt "Oh, das ist mein Hund!" - und unser Begleiter seit zwei Tagen springt wie selbstverständlich in das Auto und setzt sich auf die Rückbank. Na sowas! Dann war der Hund die letzten 2-3 Tage nicht mehr zu Hause gewesen und ist mindestens 40 km mit Menschen hin und her gewandert. Beeindruckend. Aber uns bleibt ja noch der andere Hund, ein Collie. Offensichtlich hatte aber jemand den Besitzer informiert, dass er sich Wanderern angeschlossen hatte. Es kam ein weiteres Auto, der Fahrer wusste offensichtlich, wo der Wanderweg entlang führt. Er stoppt seinen Wagen und ruft seinen Hund beim Namen, der sich dann auch umdreht und zum Auto läuft. Wer also gerne einen tierischen Begleiter auf seiner Wanderung hat, wird in der Türkei ganz sicher fündig.
Der Weg führt nun über eine langgestreckte Ebene mit schönen Ausblick auf die Gebirge. Noch immer sind wir über 500 m hoch, bis plötzlich die Abbruchkante kommt: Mit einem herrlichen Blick auf Kas und die umliegenden Inseln endet dieser abtenteuerliche Abschnitt durch das Hinterland. Der Blick auf die lykische Küste ist sehr beeindruckend, genauso wie der Weg hinunter ans Wasser. Lang und steil ist der Weg in die Stadt.
Nach dem Einchecken ins Hotel geht es noch ein paar Meter weiter in das wunderschöne Amphitheater von Kas. Dahinter, sehr versteckt, findet man noch zwei Tempel. Die hatten wir schon von oben gesehen, aber hier am Boden sind sie nicht ausgeschildert. Viele historische Denkmäler sind wie diese Tempel kaum gepflegt und stehen wie zufällig unbeachtet am Wegesrand. Das Amphitheater ist hingegen sehr groß und hat ein herrliches Bühnenbild, nämlich die lykische Küste.
Ganz in der Nähe von Ka liegt eine griechische Insel. Mit einer Fähre kann man dorthin gelangen und durch Tipp eines Freundes vom letzten Jahr ist die griechische Insel das Ziel für den morgigen Ruhetag. Die Fähre fährt morgens einmal rüber und kommt nachmittags zurück. Da man dazu aus der Türkei ausreist und in die EU einreist,´dauern die Pass- und Einreiseformalitäten als Vorbereitung auf Morgen eine Dreiviertelstunde.

Die Strecke der 11. Etappe



"Ruhetag": Wanderung auf Kastellorizo

Die griechische Insel liegt nur 25 Minuten mit der Fähre von Kas entfernt. Irgendwie überraschend, dass so nah am türkischen Staatsgebiet Griechenland liegt. Die beiden Länder haben sich in der Vergangenheit mehrfach um deutlich weiter entfernte Inseln bekriegt (z. B. Zypern). Die Fähre kostet 35 € + Hafen- und Fantasiesteuer. Morgens um 9:30 Uhr geht es los. Die wunderschönen und geschmackvoll bunt bemalten Häuser leuchten einem schon bei der Einfahrt in den Hafen entgegen. Beim späteren Rundgang wird deutlich, dass nur wenige Häuser auch bewohnbar und genutzt werden. Alle sind schön angemalt, aber stehen leer und sind möglicherweise baufällig.
Die Insel ist fast 200 m hoch, was natürlich zu einer Wanderrunde einlädt. Erst geht es auf der Straße Richtung Westen, um dann über einen kaum sichtbaren Pfad bis nach oben zu klettern. Alte Häuser und Ruinen sehen dort beeindruckend aus. Außerdem ist man hier oben ganz allein. Die meisten Touristen retten sich nach einem kurzen Rundgang in die Cafés und Restaurants. Auf dem Plateau geht es bis zum Kloster Sankt Georg, war aber verschlossen ist. Der Weg von dort weiter Richtung Stadt führt zu einer Flagge, die man vom Hafen aus sehen kann. Hier beginnt für uns der 400 Stufen Weg, den wir nun hinunter gehen können. Eine tolle Aussicht auf den Hafen belohnt die anfängliche Kletterei.

In einer Nebenstraße fragt ein Koch, ob wir nicht Fisch essen möchten. Er zeigt uns den frisch gefangenen Fisch und führt uns in sein familiengeführtes Restaurant direkt am Hafen. So sitzen wir direkt am Wasser und verspeisen einen sehr leckeren Fisch mit griechischem Salat. Was für ein Genuss! Zur Verdauung schlendern wir durch die Gassen, besichtigen zwei schön anzusehende Kirchen und schon  geht es wieder zurück in die Türkei.

Die Wanderung auf Kastellorizo




12. Etappe: Kaş - Boğazcık

Von Kas aus geht es entlang einer Straße Richtung Südosten. Dabei treffen wir die vier anderen Wanderer wieder und auch noch zwei neue, die heute ihren ersten Tag haben. Schon faszinierend, dass man sich auf so vielen hunderten Kilometer oft wiedersieht. Alex, einen Luxemburger Wanderer, haben wir letztes Jahr nicht nur auf der Route mehrfach getroffen und sind mit ihm einige Tage zusammen gewandert. Später haben wir uns dann abgesprochen zweimal im niedersächsischen Harz zum Wandern getroffen.

Hinunter in die Limanagzi-Bucht ist eine recht steile Klippe zu umkletter, die mit großen Rucksäcken recht herausfordernd sein kann. An der steilsten Stelle hängt zum Glück ein Seil, dass ziemlich pietätlos an einer historischen Felswohnung angeschlagen ist. Die Bucht selbst sieht einfach nur traumhafte aus. Dort kann man sicherlich einen ganzen Tag verbringen. Für uns geht es wieder hoch, bis der nächste Strand in Sicht kommt. Diesmal ist es ein Steinstrand. Der Weg führt durch die Macchie und ist auch in den nächsten Tagen immer anstrengend zu gehen, weil man nie gerade gehen kann. Es geht immer hoch und runter an den kantigen Steinen entlang und dabei kratzen und piecksen die unterschiedlichsten Büsche an Armen und Beinen. Die Aussichten sind dabei trotzdem wunderschön auf die Buchten, Inseln und Strände.
Der Strand von Ufakdere sieht menschenleer aus. Beim näheren herrangehen ist aber doch eine Person zu entdecken, die Bier und Cola verkauft. Wirklich einladend sieht Zeltplatz allerdings nicht aus. Müllberge vor dem Reataurant wirken  so, als wurde hier im großen Stil versucht, Glas zu verbrennen...

Nach einem langen Wegstück durch die Macchie ist die nächste Abwechslung ein aufgeschnittener VW-Bus, aus dem heraus Getränke verkauft werden. Ein ufernaher Platz, der nur über eine Schotterpiste erreichbar ist und wo gerade eine große Familie zu Mittag ist. Der VW-Bus Besitzer presst frischen Orangensaft - genau die richtige Stärkung für uns.
Wenig später gesellt sich ein junges türkisches Pärchen zu uns, das wir morgens schon mit ganz besonders ungünstiger Ausrüstung getroffen haben. Ein Zelt und zwei Schlafsäcke baumelten an einem billigen, ungeeigneten Rucksack. Dazu zwei breite Isomatten aus Schaumstoff. Die beiden sind irgendwann auf Straßen statt auf Wanderwegen gelaufen und haben auch eine Mitfahrgelegenheit genutzt. Die Isomatten sahen mittlerweile sehr kläglich aus. Die dauernden Berührungen mit den harten und stechenden Pflanzen haben dazu geführt, dass die äußere Hälfte der Matten fast nicht mehr vorhanden war und in Fetzen herunterhing.

Nach circa zwei weiteren Kilometern geht es hoch ins Landesinnere. Der Weg ist markiert, aber nach stundenlanger Wanderung durch die Macchie ist die parallel verlaufende Fahrstraße zur Abwechslung genau das richtige. Es beginnt wieder leicht an zu regnen, aber diese Intesnsität lässt sich noch gut ignorieren. Nach knapp 400 Höhenmetern ist der Zielort Boğazcık erreicht. Wir gehen beim Lykia Camping vorbei am Ortseingang vorbei. Dabei ist deutlich zu sehen, dass eine Neueröffnung nach dem Umbau nicht vor in zwei Monaten möglich sein wird. Wenn jemand dort zukünftig übernachten möchte, sollte er vorher mit der Einrichtung Kontakt aufnehmen. Das ganze Haus wird umgebaut und sah aktuell nicht bewohnt aus. Auch bei Ali´s House ist es dunkel, kein gutes Zeichen. Nach einigem "Hallo"-rufen kommt der Sohn der Besitzerin, Hussein, aus dem Garten nach vorn und erklärt, dass seine Mutter sehr krank sei und daher keine Verpflegung möglich ist. Ich habe vermutlich ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut und er hat - nicht ganz uneigennützig - angeboten, uns zu einem Freund in den nächsten Ort zu fahren hat, der dort Wohnungen vermieten würde. Das Angebot haben wir natürlich sofort angenommen, eine Alternative gab es ohnehin nicht. Wir haben den Preis verhandelt und schon geht es los. Während wir bei Hussein im Auto sitzen, rufen ihn die anderen Wanderer an, die noch irgendwo unterwegs sind und in seinem Haus eine Übernachtung anfragen. Als ich die Stimmen an seinem Telefon höre, übernehme ich das Handy und erkläre den Wander-Kollegen die Situation. Ich kann Hussein dann überzeugen, dass er später auf die Wanderer wartet und sie auch in den nächsten Ort fährt. Sie kommen irgendwo anders unter und wir treffen sie mit "großem Hallo" am nächsten Tag wieder.

In Kaleücagiz/ Kekova (Kekova heißt die vorgelagerte Insel und die meisten kennen diesen Ort wohl unter diesem Namen) angekommen, bringt Hussein uns zu Hassan ins Restaurant. Völlig überraschend spricht er uns auf Deutsch an und verspricht uns ein leckeres Abendessen. Zuerst zeigt uns seine Frau die Unterkunft. Die ist zwar teurer als die bisherigen Zimmer, dafür ist der Raum mit Küche und Bad sehr groß und mit traumhaften Blick auf den Hafen und das Wasser. Kaum haben wir die Wohnung betreten, beginnt es kräftig zu regnen. Ein anschließender Regenbogen über dem Hafen ist das wunderschöne Ergebnis. Zurück bei Hassan im Restaurant gibt es leckeren Fisch und interessante Gespräche. Denn Hassan ist in der Segler-Szene bekannt wie ein bunter Hund und redet sehr gerne. Es ist schon lustig, sich mit ihm zu unterhalten, auch wenn er meist von sich selbst spricht. Er war noch nie in Deutschland und hat die Sprache nur von den vielen Seglern gelernt. Wir erfahren dadurch von einer möglichen Bootstour, die zur versunkenen Stadt von Kekova führt. Die Tour würde Hassan selbst mit seinem Schnellboot durchführen ("Das machen wir in einer Stunde, wo andere einen ganzen Tag brauchen" :)) Das geht aber nur dann, wenn wir morgen rechtzeitig nach der Wanderung zurück sind. Der Plan ist nämlich, dass uns Hussein am nächsten Morgen abholt und zurückfährt, damit wir die Etappe nicht verpassen. Heute war wirklich ein ausgesprochen spannender Tag mit einem noch spannenderen und unerwarteten Ende.

Die Strecke der 12. Etappe

 

13. Etappe: Boğazcık- Kaleüçağız (Kekova)


Am nächsten Morgen essen wir bei Hassan vor dem Restaurant direkt am Wasser. Herrlich, was für ein Paradies. Seine Tochter erzählt davon, dass sie drei Jahre lang in Istanbul studiert hat und es sie wieder hierher zurückgezogen hat. Es ist einfach ein wunderschöner Ort zum Leben.
Hussein holt uns wie verabredet ab und so können wir die Etappe ab Boğazcık weitergehen. Hussein bekommt übrigens für jeder Fahrt 25 €.
Beim Einstieg in die Tagesetappe treffen wir zwei der vier anderen Wanderer wieder, die gestern von Hussein nach Kaleüçağız gefahren worden sind und heute morgen von ihrem Vermieter auch zum Startplatz fuhren. Die beiden wollen es aber heute ruhig angehen lassen. Wir erzählen ihnen von der Chance auf eine Bootfahrt heute Nachmittag und vielleicht sehen wir sie abends bei Hassan wieder.
Der Weg führt hinunter bis zu den Ruinen von Aperlai. Ich hätte von der Stadt selbst kaum etwas gesehen, wenn nicht weibliche Neugier (oder besser: Intuition) dazu geführt hätte, noch mal durch einen engen Buschweg etwas weiter zu gehen, und dadurch einen Blick auf die gesamte Stadt haben zu können. Auch Hassan erzählte, dass die Stadt ungewöhnlicher Weise Richtung Osten aufgebaut worden ist, vermutlich, weil damals die Winde anders waren als heute. Aperlai soll die zweitgrößte Stadt in der lykischen Zeit gewesen sein. Die Badehäuser am Wasser sind sehr schön anzusehen, aber auch hier ist nur wenig gepflegt und man kann nur wenig wirklich sehen. Etwas später am "Purple House" gibt es Cola und Kaffee. Dort sitzt man in einem wunderschönen Garten, der für die Familie die gesamte Nahrung liefert. An diesem zauberhaften Ort kann man übrigens auch übernachten.
Es geht weiter zur nächsten Bucht und immer weiter durch die Macchie, bis man schon Kaleüçağız sehen kann. Allerdings ist man noch lange nicht da: Man klettert durch die Felsen im Uferbereich, kein Meter ist hier leicht zu gehen.
Jetzt checken in eine neue Herberge ein, die wir schon von Deutschland aus gebucht hatten. Sie hat einen grandiosen Blick auf die Bucht und auf die gegenüberliegenden Inseln. Nach einer kurzen Dusche geht’s gleich weiter zu Hassan, der uns einen Bootstrip zur versunkenen Stadt von Kekova angeboten hat. Und nicht wie üblicherweise mit einem langsam vor sich hin tuckernden Boot, sondern mit seinem Schnellboot, das direkt neben seinem Restaurant liegt. Während wir einen Tee trinken und auf Hassan warten, kommen wir mit einem Pärchen am Nachbartisch ins Gespräch. Die beiden fragen, ob sie nicht spontan mit aufs Boot könnten. Eigentlich wollten die anderen Wanderer vielleicht mitfahren, aber die sind immer noch unterwegs. Also steigen die anderen beiden mit ins Boot und es geht in rasanter Geschwindigkeit zu den Orten der versunkenen Stadt. Sie versinkt noch immer jedes Jahr 10 Zentimeter tiefer. Hassan kann alles über die geschichtlichen Hintergründe erzählen und so steuern wir auch Simena an, die auf der anderen Seite liegt. Dann fahren wir langsam an der ca. einen Kilometer langen versunkenen Stadt entlang und tatsächlich noch etwas weiter, weil Hassan diese Ecke hier natürlich wie seine Westentasche kennt und uns versteckte Orte zeigt. Das Schnellboot ist dabei wirklich sehr beeindruckend, so schnell bin ich noch nie mit einem Boot gefahren. Nach einer knappen Stunde kommen wir zurück zu Hassans Restaurant an und haben am Ende dieses Tages eine wirklich ganz besondere Bootsfahrt erlebt. Wer nach Kaleüçağız kommt, sollte unbedingt bei Hassan vorbeischauen. Er kennt alles und jeden und hat für jede Frage eine Antwort.

Die Strecke der 13. Etappe



14. Etappe: Kaleüçağız - Demre


Nach dem Frühstück geht es noch mal kurz zu Hassan, um auf Wiedersehen zu sagen, dann folgen wir auf den ersten Metern einer Straße. Am Ortsausgang wird deutlich, wie selbstverständlich die antiken Überbleibsel der Städte von vor über 2000 Jahren geworden sind. Ein Parkplatz wurde unbeachtet der antiken Besonderheit um eine Grabkammer herum gebaut. Sie ist einfach schon länger da und war vermutlich nicht so leicht wegzubewegen...
Einen Abstecher nach Simena machen wir nicht, da wir die Stadt gestern von der Wasserseite aus schon gesehen haben und heute eine 20 KIlometer lange Etappe ansteht. Am frühen Mittag kommen wir am leider geschlossenen "Smugglers" in vorbei, einer kleinen Bar direkt an der Küste. Der Weg führt wie immer durch die Macchie und lässt oft schöne Ausblicke auf die vorgelagerten Inseln und Buchten zu.
Ein echtes Highlight ist die alte lykische Stadt Isla, die nur etwa 500 Meter von Kapakli entfernt liegt und in unserem Reiseführer nicht einmal genannt ist. Hier stehen einige alte Gebäude und Rundbögen. Man kann sich das Leben hier auf dieser Ebene sehr gut vorstellen.
Ein echtes Highlight ist auch der folgende Cagili-Strand, der uns mit hellen weißen Steinen und kristallklarem türkisen Wasser erwartet. Ein brillianter Platz für eine Pause und um die Füße ins Wasser zu halten. Leichter Regen zieht auf und so geht es direkt weiter bis nach Andriake, dem Hafen von Demre. Man verlässt dazu die Macchie über eine kleine Brücke und geht dann einen breiten Strand entlang. Sehr entspannend, endlich richtige Schritte machen zu können und nicht mehr auf Büsche und Steine achten zu müssen.
Der Weg führt am historischen Hafen vorbei in Richtung Demre. Die Ruinen von Andriake, der ehemaligen Hafenanlage von von Myra/ Demre werden aktuell weiter restauriert, heute ist die Anlage nicht zu besichtigen.
Demre besteht vor allen aus vielen Gewächshäusern und die wenigen Übernachtungsmöglichkeiten in der Innenstadt waren schon ausgebucht. Deshalb sind wir hier in einer sehr großen und schönen Wohnung untergebracht, allerdings weit außerhalb der Innenstadt. Es gibt keine Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. In kleinen Kiosken suchen wir uns etwas essbares zusammen, was eher schlecht als recht gelingt. Dafür ist der Ausblick von der Dachterrasse auf die großen Gewächshäuser und die dahinterliegenden Berge sehr beeindruckend.
Morgen haben wir einen Ruhetag eingeplant, um die Ruinen von Myra zu besichtigen und uns auf den Aufstieg ins Hochland vorzubereiten.

Die Strecke der 14. Etappe


Demre: Besichtigung von Myra und der Kirche des Heiligen Nikolaus

Der Nachteil, wenn man eine Unterkunft ganz am Rande der Stadt hat, ist, dass dort kaum Infrastruktur wie Lebensmittelgeschäfte oder Restaurants sind. Vorteil ist, dass wir Myra von der Dachterrasse aus sehen können und dorthin zu Fuß gehen. Dazu gehen durch die Vororte und endlose Straßen mit Gewächshäusern. Die Menschen freuen sich, wenn sie uns sehen, weil die meisten Touristen sicher mit Bussen in Myra anreisen. So kommen wir morgens an fünf Frauen vorbei, die Gebäck in einer großen Schale Öl frittieren. Sie drücken uns gleich ein paar Gebäckstücke in die Hand.
Der Weg nach Myra führt an einer Überraschung vorbei: einer 2012 entdeckten Kirche, die zwar undatiert, aber kurz nach der Jahrtausendwende gebaut worden sein muss. Sie liegt etwa vier Meter unter der Erde und wurde zufällig gefunden. Der Nachbar kommt heraus und bietet uns an, gern auf sein Grundstück zu gehen, denn von hier könne man besser sehen. Und tatsächlich können wir so beeindruckende Malereien sehen, die Jesus in der Mitte zeigen. Diese kleine Kirche sieht niemand, denn auf dem üblichen Weg nach Myra komt man hier nicht vorbei - und es ist keine 200 Meter entfernt!

Wir gehen einige Meter weiter an Gewächshäusern vorbei und plötzlich stehen wir vor dieser beeindruckenden Felswand, in die so viele Höhlen und Felsengräber gehauen worden sind. Wirklich spektakulär. Der Eintritt für eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Türkei beträgt aktuell 13 €. Neben den Grabhöhlen liegt ein großes Amphitheater, in dem man sehr gut sehen kann, dass hier Schauspiele aufgeführt wurden. An ganz vielen Steinen sind Masken und Fratzen herausgearbeitet worden, die auf Schauspielerei hindeuten. Eine sehr beeindruckende Anlage, die es durchaus mit Patara aufnehmen kann und eine der bedeutendsten antiken Städte der Türkei ist.
Nach der ausgiebigen Besichtigung geht es zu Fuß durch die vielen Gewächshäuser in die Innenstadt zur Kirche von Sankt Nikolaus. Der in Patara geborene, weltbekannte Nikolaus hat hier viele Jahre als Bischof gewirkt. Darüber hinaus hat er viel Gutes getan, insbesondere für Arme und kranke Menschen - und unser Nikolausfest am 6. Dezember geht auf ihn zurück. Die Kirche ist sehr einfach gehalten, aber aufgrund der Geschichte trotzdem beeindruckend. 17 € Eintritt finde ich persönlich hier etwas happig, aber der Ruf von Nikolaus hallt in die ganze Welt und viele Menschen werfen Zettel mit Wünschen und Geld auf seinen Sarkophag.
Empfehlung für Menschen, die zum ersten Mal in Demre sind: erst den heiligen Nikolaus anschauen und dann nach Myra gehen, denn Myra ist deutlich beeindruckender.
Auf dem Rückweg wieder durch die Gewächshäuserstraßen bestaune ich die Tomaten und sofort bringt mir ein Mann, zwei große Rispen mit Tomaten herüber und schenkt sie mir. Wie nett. Zitronen und Orangen hängen in wilden Gärten, allerdings sind die kaum genießbar. Ich hätte nicht gedacht, dass Orangen so sauer sein können und zu 80 % aus Kernen bestehen.
Am Ende sind es durch die Stadtrandlage etwa 10 Kilometer Gehwegstrecke heute geworden, die aber nicht zu spüren waren. Die meisten Menschen kommen nach Demre als Tagestouristen, weil es sich an der Küste viel schöner wohnen lässt, und Demre sicher eher hässlich als schön ist. Durch unsere Fußwege konnten wie aber viel vom alltäglichen Leben mitbekommen, was zusätzlich hoch interessant war.

Strecke Besichtigungstour von Myra und Demre


Etappe 15: Demre - Ruine Alakalise

Der Weg aus Demre hinaus führt an Myra und zahlreichen  Gewächshäusern vorbei. Nach einer Brücke über den Demre-Fluss, der heute nur sehr wenig Wasser führt, gehen wir eine Weile zwischen Fluss und Gewächs- und Wohnhäusern entlang. In einer Garage entdecken wir dabei ein Kamel, das ziemlich verwarlost wirkt.
WIr finden dann den Weg zwischen den Gewächshäusern bis zur Steilwand, der Pfad nach oben ist aber nicht wirklich zu entdecken. Kein schöner Einstieg nach einem Pausetag. Wie oft nach großen Städten ist der Einstieg schwer zu finden. Nach einer Weile Kraxelei  geht es auf dem Pfad steil nach oben, der Berg liegt in der Sonne. Nach dem ersten Teil des Aufstiegs treffen wir auf eine Gruppe Russen, die uns entgegenkommen. Sie berichten, dass in den Zisternen ausreichendes und akzeptables Wasser zur Verfügung stehen würde. Kurz vor Belören trifft man auf einige antike Reste, die in der Landschaft wahllos verstreut herumliegen. Hier haben wohl schon einige Wanderer übernachtet.
Während wir unsere Wasservorräte auffüllen - das letzte Mal fließendes Wasser aus einem Wasserhahn für die nächsten zwei Tage -, stelle ich fest, dass ich einen Wanderstock verloren habe. Ich habe auch eine Idee, wo das gewesen sein könnte, weil ich mit dem Rucksack an tief hängenden Ästen entlanggeschrammt bin. Ich entscheide mich zurückzugehen und kann den Stock tatsächlich in den Resten der antiken Stadt wiederfinden.
Frisch beladen mit 8 Litern Wasser und dem Essen für drei Tage geht es aus dem Dorf hinaus und in den nächsten Anstieg hinein. 8 Kilogramm  Wasser ist wirklich eine große Last! Ich bin erstaunt, dass der Rucksack das Gewicht ohne zu zerreißen aufnimmt. Nach einiger Zeit habe ich mich an das Gewicht gewöhnt.
Nach 5 Kilometern ist eine alte christliche Kirche erreicht. Die Ruinen von Alakalise sind sehr beeindruckend, weil man das Alter anhand der Reste, die auf dem Boden verstreut liegen, erkennen kann. Zwei holländische Frauen zelten direkt vor den Torbögen der Kirche. Wir finden auf der anderen Seite der Kirchenwand einen perfekten Zeltplatz. In der Zisterne ist etwas Wasser zum waschen. Dabei lege ich meine Kleidungsstücke auf einen wunderschön behauenen Stein ab und schaue auf das eingemeißelte Kreuz der alten Kreuzritter. Völlig faszinierend, hier zu zelten und die alten archäologischen Artefakte herumliegen zu sehen.
Es ist spät geworden und wird früh dunkel, so dass hier auf 800 m Höhe der Sommerschlafsack seine erste Bewährungsprobe zu bestehen hat. Spoiler: es wird richtig kalt.

Die Strecke der 15. Etappe bis Belören
und weiter bis zur Ruine


Etappe 16: Von der Ruine Alakalise bis zum Zeltplatz in den Bergen vor Finike
Die Nacht war sehr kalt - deutlich zu kalt für die Sommerschlafsäcke. Allerdings war das bewusst geplant: Für diese und die nächste Nacht ordentliche Schlafsäcke mitzunehmen hätte bedeutet, sie die ganzen zwei Wochen mitzuschleppen. Statt dessen hatte ich noch Rettungs-Schlafsäcke dabei, die die Temperatur im Schlafsack zwar deutlich erhöht haben, aber in denen sich natürlich auch das Kondenswasser gesammelt hat und die Schlafsäcke sehr nass wurden. War zwar schön geplant, aber trotzdem ziemlich unangenehm. Außerdem haben die Hunde des nahe gelegenen Ziegenhirten regelmäßig angeschlagen und uns so immer wieder geweckt. Und wenn man tief in der Nacht wach wird, zieht die Kälte in jede Körperzelle.
Während ich das erste Mal müde aus dem Zelt schaue, laufen die Holländerrinnen dick eingepackt inklusive Regenbekleidung schon los. Wir warten bis die ersten Sonnenstrahlen die Kirchenruine erreichen, um die feucht gewordenen Schlafsäcke etwas zu trocknen. Nach einem Frühstück geht es direkt in den Aufstieg auf bis zu 1750m Höhe. Die Strecke ist zum Teil schwer zu finden, aber mit den Markierungen und den GPX-Daten findet man die Strecke doch immer wieder. Der Aufstieg bis zum Sattel dauert mehrere Stunden und immer wieder gibt es schöne Aussichten in das weite Tal. Es bleibt allerdings vor allem eines: sehr anstrengend. Nachdem der stärkste Aufstieg geschafft ist, geht es immer mal wieder hoch und runter. Die Aussichten sind vor allem die Richtung Demre sehr schön. Gefühlt erst sehr spät gibt es am  İncegeriş-Tepesi-Grat einen ersten Blick in die Ebene von Finike. Irgendwie hatte ich mir vom Grat hier oben etwas mehr versprochen. Die alte Baracke eines Stromhauses und ein paar Lagerfeuerplätze, die von Übernachtungen erzählen, waren mir nicht spektakulär genug für diesen harten Anstieg. Vielleicht wäre eine markante Klippe schön gewesen. Naja, was man so denkt, wenn man in der Wildnis unterwegs ist. Denn tatsächlich ist die Wanderung durch die wilde Gebirgslandschaft schon etwas ganz besonderes.
Von der höchsten Stelle aus gehen wir noch möglichst viele Höhenmeter nach unten, damit die Nacht nicht wieder so kalt wird. Dabei treffen wir überraschend auf die Holländerinnen, die zwei Stunden vor uns gestartet sind. Sie gehen weiter, während wir uns die vielen leeren Behausungen anschauen, die am Wegesrand stehen. Es sind Ferienhäuser, die nicht immer verschlossen sind und einige sind wohl aufgegeben worden. Könnte man hier übernachten? Naja, ganz legal wäre es sicher nicht, als gehen wir weiter bergab. Vorher nehme ich aus einer Zisterne noch 3 Liter Wasser mit, das sehr gut aussieht. Es sollte sicherlich gefiltert werden, aber zum Kochen kann man es auf jeden Fall nutzen.
Auf dem Weg nach unten entdecke ich auf der Karte von Komoot einen Hinweis auf einen Zeltplatz, der nur 100 Meter neben dem Pfad liegt. Die Holländerin haben den Platz nicht entdeckt und so freuen wir uns über eine grandiose Aussicht auf Demre. In der untergehenden Sonne können wir bis zum Mittelmeer schauen, absolut traumhaft. Ein Lagerfeuerplatz ist vorbereitet, in dem wir später ein kleines Feuer entfachen. Auf 1250 m wird es sicher wieder kalt werden, aber der Zeltplatz ist wirklich klasse. Wir nutzen die letzten Sonnenstrahlen, um noch etwas Wärme zu tanken und entzünden schnell das Feuer. Wir ziehen alles an, was an Bekleidung zur Verfügung steht. Auch der Notfallschlafsack kommt als Hülle wieder über die Sommerschlafsäcke. Dann werden die Schlafsäcke zwar wieder nass, aber morgen Abend sind wir in einem Hotel und Hauptsache es wärmt. Es ist sternenklar und der Blick auf Demre und die gigantischen Flächen von Gewächshäusern sind von hier oben aus sehr beeindruckend. Bis hier oben hören wir die Gebetsrufe des Muezzin aus dem Tal.
Von der Ruine bis zum İncegeriş-Tepesi-Grat.
Vom  İncegeriş-Tepesi-Grat bis zum Zeltplatz in den Bergen.


17. Etappe: Vom Zeltplatz in den Bergen nach Finike
Die Nacht war erwartungsgemäß kalt, aber nun wußten wir ja, was uns erwartet, daher war sie besser zu überstehen. Die nassen Schlafsäcke hängen wir gleich morgens in der Sonne und tatsächlich wärmt die Sonne so früh am Morgen bereits. Statt zu frühstücken packen wir alles zusammen und gehen zurück auf den Lykischen Weg, denn wir haben eine Idee für einen schönen Frühstücksplatz - das dauert allerdings noch etwas.
Die Strecke ist sehr uneben und der nächste brauchbare Zeltplatz an einer Zisterne ist etwa drei Kilometer entfernt. Als wir dort ankommen bin ich nochmal sehr froh, dass uns dieser kleine Vermerk auf der Komoot-Karte den tollen Zeltplatz von letzter Nacht gezeigt hat. Nach ein paar weiteren Kilometern stossen wir auf die antike Ruinenstadt Belos. Auch hier könnte man zelten. Einige alte Sarkophage und Mauerreste sind hier zu besichtigen. Es bleibt erstaunlich, was man hier einfach so am Wegesrand sehen kann: ohne erklärende Schilder, ohne Absicherung an tiefen Löchern, die mal Brunnen waren, ohne Einschränkung von Wegen. Das macht den ganz besonderen Charme dieser Langstreckenwanderung aus und war auch für die Initiatorin des Weges, Kate Clow, der Hauptgrund ihres Engagements. Sicherlich gehen dadurch aber auch viele historische Funde verloren.
Der Abstieg geht hinunter bis zu einem Friedhof. Hier gibt es das erste Mal wieder frisches Wasser - wenn man es nötig hätte.
Auf der anschließenden Asphaltstraße (für etwa 2,5 Kilometer) hält neben uns ein Auto an und der Fahrer bietet uns eine Mitfahrt an. Dankend lehnen wir ab. Daraufhin holt er zwei köstliche Orangen aus seinem Kofferraum und drückt sie uns in die Hand. Es ist so unglaublich lecker, wenn man nach drei Tagen in den Bergen den Saft einer frischen Orange durch den Mund und die Kehle fließen lässt. Der alte Mann aus dem Auto hat uns eine unermesslich große Freude damit bereitet - herrlich.
Nachdem der Weg von der Straße wieder in die Landschaft hinein führt, geht es hinunter durch die Macchie. Die Beine werden wieder ordentlich strapaziert, angeritzt und gestochen. Der Weg führt hinunter in einen alten Bachlauf, der sich als wunderschöner Abschnitt der heutigen Wanderung entwickelt. Wasser fließt hier nicht mehr, vielleicht bei starkem Regen. Es geht auf geschliffenem Stein über viele Terrassen hinab. Ein wunderbarer, einsamer Weg. Ein Holzkreuz an der Abzweigung weißt allerdings darauf hin, dass man schon auf jeden Schritt aufpassen sollte. Hier ist ein Wanderer allein unterwegs gewesen, gestürzt und nie wieder aufgestanden.
Nach dem Bachlauf fühlt ers sich so an, als ob man gleich in Finike sei - aber es sind noch 5 Kilometer, die sich wieder durch die Macchie ziehen. Wir sind froh, als wir auf die erste feste Straße des Ortes stoßen.
Die kleine Stadt ist nicht sehr ansehnlich, bis man hinunter ans Wasser kommt. Im erstbesten Restaurant in Strandnähe schlägt uns der Wirt ein Fleischtoast als Zwischenmalzeit vor, dass zusammen mit Ayran und Cola genau die richtige Mahlzeit ist. Endlich wieder normales Essen und Trinken. Das Hotel ist wenig später schnell gefunden und vom dritten Stock aus kann man nicht nur die Segelboote sehen, sondern auch die Gipfel des Taurusgebirges mit ihren Schneedecken. Sehr beeindruckend. Zur Feier des Tages gibt es ein opulentes Essen im 6. Stock des Hotels mit Blick auf das Wasser und die Berge.
Die letzte Etappe nach Finike

Das war die letzte Etappe des zweiten Abschnitts vom Lyrischen Weg. Zusammen sind es fast 160 Kilometer in diesem Jahr geworden. Ausgesprochen abwechslungsreich und immer wieder auch sehr herausfordernd, aber in jedem Fall eine ganz besondere Wanderung. Markierungen wie in den Alpen oder auf anderen Wanderwegen darf man hier nicht erwarten, aber dafür eine wilde und ungewöhnliche Landschaft und immer wieder eine Infrastruktur, die zwar nicht auf Wanderer eingerichtet ist, sich aber dafür ganz hervorragend nutzen lässt. Im nächsten Jahr geht es weiter.










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